Autopoietische Systeme

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  • Erstellungsdatum 29. Mai 2022
  • Zuletzt aktualisiert 29. Mai 2022

Autopoietische Systeme

Was ist das Leben? Wie entsteht es? Wie kann es existieren und sich entwickeln? Diese sehr grundlegenden Fragen interessieren nicht nur Biologen oder andere Lebenswissenschaftler, sondern sind seit Menschengedenken auch Gegenstand der Reflexion in Religion und Philosophie. Die Antwort der Biologie auf diese Frage ist ein Katalog verschiedener Merkmale, welche die „lebendige“ von der „toten“ Materie unterscheiden. Was lebt, betreibt einen stofflichen und damit energetischen Austausch mit der Umwelt (Stoffwechsel), hält seine inneren Vorgänge im Gleichgewicht (Homöostase), kann Umweltreize wahrnehmen und verarbeiten (Reizverarbeitung) und sich reproduzieren (Fortpflanzung). Konrad Lorenz beschreibt das Leben als das Sammeln von Energie (Lorenz, 1977). Das Leben frisst „negative Entropie“ und schafft damit Strukturen der Ordnung im nach Dissipation, d. h. nach Unordnung, strebenden Universum. „Alle lebenden Systeme sind so beschaffen, dass sie Energie an sich zu reißen und zu speichern vermögen.“ (Lorenz, 1977, S. 35).

 

Durch positive Rückkoppelung können lebende Systeme immer mehr Energie an sich binden, ähnlich wie ein den Berg hinab rollender Schneeball, der immer größer wird, d. h. aufgrund zirkulärer, selbstreferenzieller Prozesse aus sich selbst heraus wächst und seine Entwicklung vollzieht. Diese Eigenschaft und zugleich Fähigkeit lebender Systeme wird von Humberto Maturana und Francisco Varela „Autopoiesis“ genannt (Maturana & Varela, 1987). Bevor die Eigenschaften autopoietischer Systeme näher beschrieben werden, wird der Begriff „System“ bzw. „lebende Systeme“ hier vorläufig in allgemeiner Form verwendet.

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