Literaturclub: Herz der Finsternis

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  • Erstellungsdatum 2. Februar 2022
  • Zuletzt aktualisiert 16. März 2022

Literaturclub: Herz der Finsternis

Ein Pole, der englische Bücher schreibt, ein Seemann, der zum distinguierten Romancier und Freund von führenden Intellektuellen wird – das sind die Paradoxa unseres heutigen Autors. Geboren wurde er als Józef Teodor Natęcz Konrad Korzeniowski 1857 in Berdyczów (in der Ukraine, einst polnisch – aber Polen gibt es ja nicht mehr, daher ist er russischer Staatsbürger). Die Familie hatte Adelsstatus (was aber in Polen keinen so großen Seltenheitswert hatte); der Vater, Apollo (!) Korzeniowski, war Autor und Übersetzer (für Bildungsnähe war also gesorgt) sowie Revolutionär (auch das in der intellektuellen Schicht der Polen nichts Seltenes). Von der durch die nationale Tradition geprägten und auf die Wiedergeburt des eigenen Staats ausgerichteten Atmosphäre des Elternhauses hat sich
der Sohn später gelöst – er hat sich jedenfalls nicht in diesem Sinne betätigt; wie weit ihm „im Herzen“ das Schicksal Polens wichtig geblieben ist, wird diskutiert. Der Vater kam wegen seiner Aktivitäten zeitweise ins Gefängnis, die Familie wurde nach Russland verbannt, kam danach in den zu Österreich gefallenen Teil Polens; wohl als Folge der Verbannung starben die Eltern früh, mit 11 Jahren war der Junge Waise. Er war intelligent, las mit Be-
geisterung große Literatur, lernte in einer Waisenpension fließend und akzentfrei (!) Französisch, war aber ein schlechter Schüler. Daher wurde er nicht fürs Studium bestimmt, sondern sollte Seemann oder auch Kaufmann werden. Mit 16 Jahren kam er nach Marseille, fuhr vier Jahre lang in der französischen Handelsmarine, danach wechselte er zur britischen, und dort blieb er hängen: in 19 Jahren stieg er auf (mühsam – einige Prüfungen bestand er erst beim wiederholten Versuch) bis zum Kapitän, allerdings hatte er nur auf einer einzigen Fahrt das Kommando (1888, nach Australien und Mauritius).

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