Geheimes Pflanzen-Bewusstsein: Pflanzen haben ein Selbst-Bewusstsein

Pflanzen haben ein Selbst-Bewusstsein

Gibt es womöglich ein Pflanzengehirn? »Natürlich suchen wir nicht nach einem kleinen, walnussförmigen Gebilde, so wie wir Menschen es haben«, lacht Baluska. »Aber das brauchen die Pflanzen auch nicht. Das Gehirn ist im ganzen Organismus. Die Pflanze als Ganzes ist das Gehirn.«

 

Pflanzen reagieren als Gesamtorganismus auf Umweltreize und nicht – wie man bisher dachte – nur in einzelnen Bereichen, von denen der eine nicht weiß, was der andere tut. »Das ganze System weiß von sich, wie groß es ist, ob es genügend Wasser hat, in welcher Umgebung es lebt«, erklärt Baluska. »Die Pflanzenintelligenz ist eine Eigenschaft, die aus der kollektiven Interaktion zwischen verschiedenen Geweben einer wachsenden, individuellen Pflanze resultiert.« Die Struktur des gesamten Systems koordiniert das Verhalten der einzelnen Teile.

 

Pflanzen, so Baluska, »haben einen diffusen Kommandobereich, der Reize von außen wahrnimmt, darauf reagiert und sich immer wieder auf Neues einstellt«. Dieses dezentrale Nervensystem ermöglicht den Pflanzen die simultane Kommunikation mit Pilzen, Bakterien und Mikroorganismen im Wurzelbereich. Als Verständigungssignale dienen Dutzende unterschiedlicher chemischer Stoffe.

 

Pflanzen sind zwar sesshafte Organismen, bemühen sich aber aktiv um Rohstoffe, die sie zum Leben brauchen – über und unter der Erde im Wurzelbereich. »Sie nehmen die Menge verfügbarer Stoffe aktiv wahr, schätzen ab, wie viel Energie sie für bestimmte Wachstumsziele brauchen, und realisieren die jeweils optimale Variante«, erklärt der Salzburger Biologe Günther Witzany. »Pflanzen nehmen sich selbst wahr. Das heißt, sie können zwischen Selbst und Nicht-Selbst unterscheiden.«


Baluska glaubt, dass Bereiche nahe den Wurzelspitzen für die Intelligenzleistungen eine ganz besondere Rolle spielen. Auf dem Bildschirm seines Computers zeigt er eine nur vier Monate alte Roggenpflanze. Ihr riesiges Wurzelwerk umfasst eine Oberfläche von rund 1000 Quadratmetern. Geschätzte Zahl der Wurzeln: 13 Millionen. Gesamtlänge: rund 600 Kilometer. Zählt man die circa 14 Milliarden Wurzelhärchen dazu, dann ergibt sich aneinandergereiht eine Länge von 10 600 Kilometern – das ist die Entfernung von Pol zu Pol.

 

Jeder einzelne der Myriaden von Wurzelzweigen verfügt über eine Zone, die gehirnähnliche Funktionen wahrnimmt. Alle zusammen bilden das Kommunikationszentrum der Pflanze. Ein unterirdisches neuronales Netz, so groß wie das World Wide Web. Ein wahres »Wood Wide Web«.

 

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