2026/01: Putin musste machtlos zusehen Das amerikanische Vorgehen gegen Venezuela bringt Russland in eine unbequeme Lage: Schon wieder ist ein Verbündeter gestürzt worden, den man nicht schützen konnte.

Russland verliert mit Nicolás Maduro einen weiteren Verbündeten und wirkt ohnmächtig. Putin schweigt – aus mehreren Gründen.
Das amerikanische Vorgehen gegen Venezuela bringt Russland in eine unbequeme Lage: Schon wieder ist ein Verbündeter gestürzt worden, den man nicht schützen konnte. Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro hatte dieselbe Rhetorik gegen „Imperialismus“ und „Neokolonialismus“ gepflegt, wie sie auch Wladimir Putin oft bemüht, wenn er Russland als Vorkämpfer für eine „multipolare Weltordnung“ in Stellung bringt. Maduro galt in Moskau als Freund und „stets willkommener Gast auf russischem Boden“, wie es in Putins Glückwunschbotschaft hieß, als sich der Machthaber Ende Juli 2024 wieder einmal zum Sieger von Präsidentenwahlen erklärte.
Putin war schon ein Partner von Maduros Vorgänger Hugo Chávez; Russland lieferte Venezuela Waffen wie Flugzeuge und Flugabwehrsysteme, es gab gemeinsame Militärmanöver, und in den Jahren von 2006 bis 2017 gewährten Russland und der vom Kreml kontrollierte Ölkonzern Rosneft dem Land, wie die Nachrichtenagentur Reuters errechnete, insgesamt 17 Milliarden Dollar Kredit.
Keine Hilfe beim Ausbau der Flugabwehr
Im Gegenzug war Venezuela unter der kleinen Gruppe von Staaten, welche die von Georgien abtrünnigen Provinzen Abchasien und Südossetien in Moskaus Gefolge als Staaten anerkannten, ebenso die russische Annexion der Krim 2014. Kurz nach dem russischen Überfall auf die Ukraine von 2022 unterstützte Maduro auch die „Spezialoperation“ Putins. Moskau setzte sich für einen BRICS-Beitritt Venezuelas ein, Putin empfing Maduro zu seinem Gipfel des Zusammenschlusses im Oktober 2024.
Doch als Maduro, wie die „Washington Post“ Ende Oktober berichtete, Moskau und Peking angesichts des amerikanischen Aufmarsches gegen Venezuela um Hilfe dabei bat, die Flugabwehr des Landes zu verbessern, geschah nichts. Jetzt sah Putin machtlos mit an, wie die Amerikaner eine Spezialoperation zur Gefangennahme des Partners anzettelten, als „klassischen Akt“ des „Imperialismus“, vor dem man doch den „globalen Süden“ schützen wollte, wie der exilrussische Politologe Alexandr Baunow analysierte.
Putin reagierte wie stets in solchen Situationen: Er schwieg. Putin überließ es am Samstag seinem Außenministerium, die Aktion der Amerikaner pflichtgemäß als „Akt der bewaffneten Aggression“ zu verurteilen. Minister Sergej Lawrow telefonierte später mit Maduros Stellvertreterin Delcy Rodríguez, sprach laut Mitteilung von „fester Solidarität mit dem Volk Venezuelas“. Das konnte man gar als Abrücken von Maduro verstehen, denn nach dem Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad im Dezember 2024 – eines weiteren russischen Partners, den man nicht länger schützen konnte – hatte Putin die Annäherungsversuche an die neuen, von Moskau eben noch als „Terroristen“ bekämpften Machthaber damit erklärt, dass man stets „das „syrische Volk“ unterstützt habe. Also nicht das Regime.
Nicht einmal ein Exil konnte Putin Maduro anbieten
Anders als im Fall Assads ist Putin mit Blick auf Maduro nun nicht einmal in der Lage dazu gewesen, dem gestürzten Machthaber ein Exil anzubieten. Gewiss hätte man ihn aufgenommen, aber die Amerikaner wollen Maduro in den USA vor Gericht stellen. Das russische Außenministerium rief die amerikanische Führung später am Samstag lediglich dazu auf, Maduro und dessen Frau „freizulassen“ und alle „Probleme auf dem Weg des Dialogs zu lösen“.
Dabei fiel auf, dass die Mitteilungen des Ministeriums über den Samstag weniger scharf formuliert wurden. Zum einen geht es offenbar darum, die Beziehung zum amerikanischen Präsidenten Donald Trump, auf den man im Ukrainekrieg setzt, nicht noch weiter zu belasten; mit Rücksicht darauf hatte Moskau schon im Juni vorigen Jahres bloß verhalten auf die amerikanischen Luftschläge gegen Iran reagiert, einen weiteren „strategischen Partner“ Russlands, mit dem Trump über Kreuz liegt. Dabei wirkt die Beziehung Putins zu Trump derzeit getrübt, der Amerikaner ist bei der Arbeit an seinem „Friedensplan“ offenbar auf Ukrainer und Europäer eingegangen und scheint Russlands dagegen gerichtete Geschichte eines Angriffs auf Putins Residenz nicht zu glauben – die den russischen Herrscher im Nebeneffekt in eine Opferrolle rückt, die man sonst mit Schwäche verbindet.
Zum anderen würde die weitere lautstarke Empörung über den Fall Venezuela für Moskau das Risiko bergen, noch machtloser zu wirken, auch vor dem heimischen Publikum. In den wichtigen Abendnachrichten des Staatssenders Rossija 1 kam nicht einmal die Verurteilung des amerikanischen Angriffs durch das Außenministerium vor, sondern Lawrows Gespräch mit Rodríguez und das vage „Versprechen, die Zusammenarbeit mit Venezuela fortzusetzen“.
In den Kreisen der sogenannten Z-Kanäle, die den Angriffskrieg gegen die Ukraine feiern, herrschten gar Anerkennung und Neid über die Spezialoperation der Amerikaner vor, die gezeigt hätten, wie man gegen „Zentren der Entscheidungsfindung“ vorgehe; das ist eine russische Propagandaformel für Schläge gegen Kiew und seine westlichen Unterstützer. Von der Einnahme von „Caracas in drei Stunden“ war die Rede, nach dem mutmaßlichen Ziel zum Angriff von 2022, Kiew in drei Stunden zu erobern. Ein reichweitenstarker Kanal schrieb, vermutlich sei auch die eigene „Spezialoperation“, der Angriffskrieg gegen die Ukraine, so gedacht gewesen, „schnell, effektiv und resultativ“. Generalstabschef Valerij Gerassimow habe „wohl kaum“ bald vier Jahre „kämpfen wollen“.
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