NWO-1919: Vorwort

– Siehe auch FT: Die natürliche Wirtschaftsordnung

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Vorwort zur 3. Auflage.

Magna quies in magna spe!

Die Wirtschaftsordnung, von der hier die Rede ist, kann nur insofern eine natürliche genannt werden, als sie der Natur des Menschen angepaßt ist. Es handelt sich also nicht um eine Ordnung, die sich etwa von selbst, als Naturprodukt einstellt. Eine solche Ordnung gibt es überhaupt nicht, denn immer ist die Ordnung, die wir uns geben, eine Tat, und zwar eine bewußte und gewollte Tat.

 

Den Beweis, daß eine Wirtschaftsordnung der Natur des Menschen entspricht, liefert uns die Betrachtung der menschlichen Entwickung. Dort, wo der Mensch am besten gedeiht, wird auch die Wirtschaftsordnung die natürlichste sein. Ob eine in diesem Sinne sich bewährende Wirtschaftsordnung zugleich die technisch leistungsfähigste ist und dem Ermittlungsamt Höchstzahlen liefert, ist eine Frage minderer Ordnung. Man kann sich ja heute leicht eine Wirtschaftsordnung vorstellen, die technisch hohe Leistungen aufweist, bei der aber Raubbau am Menschen getrieben wird. Immerhin darf man wohl blindlings annehmen, daß eine Ordnung, in der der Mensch gedeiht, sich auch in bezug auf Leistungsfähigkeit als die bessere bewähren muß. Denn Menschenwerk kann schließlich nur zusammen mit dem Menschen zur Höhe streben. Der Mensch ist das Maß aller Dinge, darum auch Maß seiner Wirtschaft.


Wie bei allen Lebewesen, so hängt auch das Gedeihen des Menschen in erster Linie davon ab, daß die Auslese nach den Naturgesetzen sich vollzieht. Diese Gesetze aber wollen den Wettstreit. Nur auf dem Wege des Wettbewerbs, der sich überwiegend auf wirtschaftlichem Gebiete abspielt, kann es zur förderlichen Entwickung, zur Hochzucht kommen. Wer darum die Zuchtgesetze der Natur in ihrer vollen, wundertätigen Wirksamkeit erhalten will, muß die Wirtschaftsordnung darauf anlegen, daß sich der Wettbewerb auch wirklich so abspielt, wie es die Natur will, d. h. mit der von ihr gelieferten Ausrüstung, unter gänzlicher Ausschaltung von Vorrechten. Der Erfolg des Wettstreites muß ausschließlich von angeborenen Eigenschaften bedingt sein, denn nur so wird die Ursache des Erfolges auf die Nachkommen vererbt und zur allgemeinen Menscheneigenschaft. Nicht dem Geld, nicht verbrieften Vorrechten,

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sondern der Tüchtigkeit, der Kraft, der Liebe, der Weisheit der Eltern müssen die Kinder ihre Erfolge verdanken. Dann darf man hoffen, daß mit der Zeit die Menschheit von all dem Minderwertigen erlöst werden wird, mit dem die seit Jahrtausenden vom Geld und Vorrecht geleitete Fehlzucht sie belastet hat, daß die Herrschaft den Händen der Bevorrechteten entrissen werden und die Menschheit unter der Führung der Edelsten den schon lange unterbrochenen Aufstieg zu göttlichen Zielen wieder aufnehmen wir.

 

Die Wirtschaftsordnung, von der hier die Rede ist, erhebt aber noch in anderer Hinsicht Anspruch auf ihre Bezeichnung, die natürliche.


Damit der Mensch gedeihe, muß es ihm möglich gemacht sein, sich in allen Lagen so zu geben, wie er ist. Der Mensch soll sein, nicht scheinen. Er muß immer erhobenen Hauptes durchs Leben gehen können und stets die lautere Wahrheit sagen dürfen, ohne daß ihm daraus Ungemach und Schaden erwachse. Die Wahrhaftigkeit soll kein Vorrecht der Helden bleiben. Die Wirtschaftsordnung muß derart gestaltet sein, daß der wahrhaftige Mensch auch wirtschaftlich vor allen am besten gedeihen kann. Die Abhängigkeiten, die das Gesellschaftsleben mit sich bringt, sollen nur die Sachen, nicht die Menschen betreffen.


Soll sich der Mensch seiner Natur entsprechend gebärden dürfen, so müssen ihn Recht, Sitte und Religion in Schutz nehmen, wenn er bei seinem wirtschaftlichen Tun dem berechtigten Eigennuß, dem Ausdruck des naturgegebenen Selbsterhaltungstriebes, nachgeht. Widerspricht solches Zun religiösen Anschauungen, trotzdem der Mensch dabei sittlich gedeiht, so sollen solche Anschauungen einer Nachprüfung unterzogen werden nach dem Grundsatz: Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte bringen. Es darf uns nicht ergehen wie etwa dem Christen, den seine Religion in folgerichtiger Anwendung zum Bettler macht und im Wettstreit entwaffnet, worauf er dann mitsamt seiner Brut im Auslesevorgang der Natur vollends zermalmt wird.


Die Menschheit hat keine Vorteile davon, wenn die Besten immer gekreuzigt werden. Die Hochzucht verlangt eher das umgekehrte Verfahren. Die Besten müssen gefördert werden; nur so kann man hoffen, daß die Schätze einst ausgeschüttet werden, die im Menschen schlummern unermeßliche Schätze!


Die natürliche Wirtschaftsordnung wird darum auf dem Eigennuß aufgebaut sein. Die Wirtschaft stellt an die Willenskraft schmerzhafte Anforderungen bei der Überwindung der natürlichen Trägheit. Sie braucht darum starke Triebkräfte, und keine andere Anlage vermag diese in der nötigen Stärke und Regelmäßigkeit zu liefern als der Eigennutz. Der Volkswirtschaftler, der mit dem Eigennutz rechnet und auf ihn baut, rechnet richtig und baut feste Burgen. Die religiösen Forderungen des Christentums dürfen wir darum nicht auf die Wirtschaft übertragen; sie versagen hier und schaffen nur Heuchler. Die geistigen Bedürfnisse beginnen dort, wo die körperlichen befriedigt sind; die wirtschaftlichen Arbeiten sollen aber die körperlichen Bedürfnisse befriedigen, Es hieße

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die Reihenfolge auf den Kopf stellen, wollte man die Arbeit mit einem Gebet oder Gedicht beginnen. Die Mutter der nützlichen Künste ist die Not, die der schönen der Überfluß. (Schopenhauer.) Mit anderen Worten: Man bettelt, solange man hungrig ist, und betet, wenn man hatt ist.


Solche auf dem Eigennutz errichtete Wirtschaftsordnung stellt sich dabei in keiner Weise den höheren, arterhaltenden Trieben in den Weg. Im Gegenteil sie liefert dem Menschen nicht nur die Gelegenheit zu uneigennützigen Taten, ondern auch die Mittel dazu. Sie stärkt diese Triebe durch die Möglichkeit sie zu üben. Hingegen in einer Wirtschaft, wo jeder seinen in Not geratenen Freund an die Versicherungsgesellschaft verweist, wo man die kranken Familien angehörigen ins Siechenhaus schickt, wo der Staat jede persönliche Hilfsleistung überflüssig macht, da müssen, scheint mir, zarte und wertvolle Triebe verkümmern.


Mit der auf Eigennuß aufgebauten natürlichen Wirtschaft soll jedem der eigene volle Arbeitsertrag gesichert werden, mit dem er dann nach freiem Ermessen verfahren kann. Wer eine Befriedigung darin findet, seine Einnahmen, den Lohn, die Ernte mit Bedürftigen zu teilen, — der kann es tun. Niemand verlangt es von ihm, doch wird es ihm auch niemand verwehren. Iigendwo in einem Märchen heißt es, daß die größte Strafe, die dem Menschen auferlegt werden kann, die ist, ihn in eine Gesellschaft von Hilfsbedürftigen zu bringen, die die Hände nach ihm ringen, und denen er nicht helfen kann. In diese schreckliche Lage bringen wir uns aber gegenseitig, wenn wir die Wirtschaft anders als auf dem Eigennutz aufbauen, wenn nicht jeder über den eigenen Arbeitsertrag nach freiem Ermessen verfügen kann. Hierbei wollen wir zur Beruhigung der menschenfreundlichen Leser uns noch erinnern, daß Gemeinsinn und Opferfreudigkeit dort am besten gedeihen, wo mit Erfolg gearbeitet wird. Opferfreudigkeit ist eine Nebenerscheinung persönlichen Kraft- und Sicherheitsgefühle, das dort aufkommt, wo der Mensch auf seine Arme bauen kann. Auch sei hier noch bemerkt, daß Eigennutz nicht mit Selbstsucht verwechselt werden darf. Der Kurzsichtige ist selbstfüchtig, der Weitsichtige wird in der Regel bald einsehen, daß im Gedeihen des Ganzen der eigene Nutz am besten verankert ist.


So verstehen wir also unter Natürlicher Wirtschaft eine Ordnung, in der die Menschen den Wettstreit mit der ihnen von der Natur verliehenen Ausrüstung auf vollkommener Ebene auszufechten haben, wo darum dem Tüchtigsten die Führung zufällt, wo jedes Vorrecht aufgehoben ist und der einzelne, dem Eigennutz folgend, geradeaus auf sein Ziel lossteuert, ohne sich in seiner Tattraft durch Rücksichten ankränkeln zu lassen, die nicht zur Wirtschaft gehören, und denen er außerhalb ihrer immer noch genug Frondienste leisten kann.


Die eine Voraussetzung dieser natürlichen Ordnung ist in unserer heutigen, so verschrieenen Wirtschaft bereits erfüllt. Diese ist auf dem Eigennutz aufgebaut, und ihre technischen Leistungen, die niemand verkennt, bürgen dafür, daß sich auch die Neue Ordnung bewähren wird. Die andere Voraussetzung aber, die

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den wichtigsten Pfeiler der Natürlichkeit in der Wirtschaftsordnung bildet –  die gleiche Ausrüstung aller für den Wettstreit, die gilt es zu schaffen. Auf dem Wege zielstrebiger Neugestaltung gilt es, alle Vorrechte, die das Ergebnis des Wettbewerbs fälschen könnten, spurlos zu beseitigen. Diesem Zwecke dienen die beiden hier nun zu besprechenden, grundstürzenden Forderungen: Freiland und Freigeld.


Diese natürliche Wirtschaftsordnung könnte man auch als, Manchestertum bezeichnen, jene Ordnung, die den wahrhaft freien Geistern immer als Ziel vorgeschwebt hat, — eine Ordnung, die von selber, ohne fremdes Zutun steht und nur dem freien Spiel der Kräfte überlassen zu werden braucht, um alles das, was durch amtliche Eingriffe, durch Staatssozialismus und behördliche Kurzsichtigkeit verdorben wurde, wieder ins richtige Lot zu bringen.


Von diesem „Manchestertum“ darf man heute freilich nur noch vor Leuten reden, die an ihrer Erkenntnis nicht durch fehlerhaft ausgeführte Versuche irre gemacht werden können, denen Fehler in der Ausführung nicht auch zugleich Beweise für Mängel des Planes an sich sind. Doch der großen Menge genügt das, was man bisher als Manchestertum kennen gelernt hat, um die ganze Lehre in Grund und Boden zu verfluchen.


Die Manchesterschule war auf dem richtigen Wege, und auch das, was man von Darwin her später in diese Lehre hineintrug, war richtig. Nur hatte man die erste und wichtigste Voraussetzung des Systems ungeprüft gelassen und sich nicht um die Kampfbahn gekümmert, auf der nun die Kräfte frei sich messen sollten. Man nahm an (nicht alle laten es harmlos), daß in der gegebenen Ordnung, mit Einschluß der Vorrechte des Grundbesitzes und des Geldes, die Bürgschaft für einen genügend freien Wettstreit läge, vorausgesetzt, daß sich der Staat nicht weiter in das Getriebe der Wirtschaft mischen würde.


Man vergaß oder wollte es nicht einsehen, daß, wenn es natürlich zugehen sollte, man auch dem Proletariat das Recht einräumen müßte, sich den Boden mit denselben Mitteln zurück zu erobern, mit denen er ihm entwendet worden war. Statt dessen riefen die Manchesterleute denselben Staat zur Hilfe, der durch sein Dazwischentreten das freie Spiel bereits verdorben hatte, damit er sich mit seinen Gewaltmitteln vollends der Schaffung eines wirklich freien Spieles der Kräfte entgegenstellen sollte. So gehandhabt entsprach das Manchestertum in keiner Weise seiner Lehre. Volksbetrüger hatten sich zum Schutze von Vorrechten, dieser Lehre bemächtigt, die jedes Vorrecht verneinte. Das war Betrug und Heuchelei.


Um die ursprüngliche Manchesterlehre gerecht zu beurteilen, darf man nicht von ihrer späteren Handhabung ausgehen. Die Manchesterleute erwarteten vom freien Spiel der Kräfte in erster Linie ein allmähliches Sinken de. Zinsfußes bis auf Null. Diese Erwartung gründete sich auf die Tatsache, daß in England wo der Markt verhältnismäßig am besten mit Geld versorgt war, auch der Zins-

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fuß am niedrigsten stand. Man brauchte also nur die wirtschaftlichen Kräfte zu entfesseln, sie dem freien Spiel zu überlassen, um das Geldangebot zu vermehren und dadurch den Zins, diesen ärgsten Schandsleck der seitherigen Wirtchaftsordnung, auszutilgen. Es war den Bekennern dieser Lehre noch unbekannt, daß gewisse innere Fehler unseres Geldwesens (das die Manchesterleute unbesehen in ihre Wirtschaftsordnung übernahmen) solcher geldmachtfeindlichen Entwicklung unübersteigbare Hinderisse in den Weg legen.


Nach einem weiteren Glaubenssatz der Manchesterlehre sollte als Folge der Erbschaftsteilungen und der natürlichen wirtschaftlichen Minderwertigkeit der im Reichtum aufwachsenden Geschlechter der Großgrundbesitz zerstückelt und die Grundrente auf diese Weise selbsttätig zu einem allgemeinen Volkseinkommen werden. Dieser Glaube mag uns heute etwas leichtfertig erscheinen; soweit war er aber doch gerechtfertigt, daß die Grundrenten um den Betrag der Schutzzölle durch den von den Manchesterleuten geforderten Freihandel hätten sinken müssen. Dazu kam die mit der Dampfschiffahrt und dem Eisenbahnwesen damals erst zur Tatsache gewordene Freizügigkeit der Arbeiter, durch die in England der Lohn sich auf Kosten der Grundrente auf den Stand des Arbeitsertrages der auf kosten- und lastenfreiem amerikanischem Boden siedelnden Auswanderer (Freiländer) hob, während zu gleicher Zeit die Ernteerträge dieser Freiländer die Preise der englischen landwirtschaftlichen Erzeugnisse senkten, — wieder auf Kosten der englischen Grundrentner. (In Deutschland und Frankreich wurde diese natürliche Entwicklung durch den Übergang zur Goldwährung derart verschärft, daß es hier zu einem Zusammenbruch gekommen wäre, wenn der Staat die Folgen seines Eingriffs (Goldwährung) nicht durch einen zweiten Eingriff (Getreidezölle) wieder ausgeglichen hätte.


Man kann also wohl verstehen, daß die Manchesterleute, die mitten in dieser rasch vor sich gehenden Entwickung standen, ihre Bedeutung überschätzend die Beseitigung des zweiten Schandflecks ihrer Wirtschaftsordnung durch das freie Spiel der Kräfte glaubten erwarten zu dürfen.

 

Ihr dritter Glaubenssatz lautete, daß, wenn es bereits möglich gewesen war, dank der Anwendung ihres Grundgedankens, dank dem freien Spiel der Kräfte Herr der natürlichen örtlichen Hungersnöte zu werden, es doch auch möglich sein müßte, auf demselben Wege durch Verbesserung der Verkehrsmittel, der Handelseinrichtungen, des Bankwesens ust. die Ursache der Wirtschaftsstörungen zu beseitigen. Denn wie die Hungersnot sich als Folge schlechter örtlicher Verteilung der Lebensmittel erwies, so dachte man sich auch die Wirtschaftsstockung als Folge schlechter Warenverteilung. Und fürwahr, wer sich bewußt ist, wie sehr die kurzsichtige Zollpolitik aller Völker den natürlichen Gang der Volks- und Weltwirtschaft stört, der wird es verzeihen, wenn ein Freihändler ein Manchestermann, der noch keine Ahnung hatte von den gewaltigen Störungen, die die Mängel des herkömmlichen Geldwesens auszulösen vermögen, die Beseitigung der Wirtschaftsstockungen einfach vom Freihandel erwarten konnte.

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So dachten also die Manchesterleute weiter: wenn wir durch den all gemeinen Weltfreihandel die Volkswirtschaft dauernd in Vollbetrieb erhalten können, wenn als Folge solcher stockungsfreien, ununterbrochenen Arbeit eine Überproduktion an Kapital sich einstellt, die auf den Zins drückt und ihn schließlich ganz beseitigt, wenn auch noch das zutrifft, was wir vom freien Spiel der Kräfte für die Grundrente erwarten, dann muß die Steuerkraft des ganzen Volkes derartig wachsen, daß sämtliche Staats- und Gemeindeschulden in kürzester Zeit in der ganzen Welt getilgt werden können. Damit wäre dann auch der vierte und letzte Schandfleck unserer Wirtschaftsordnung spurlos getilgt und der dieser Ordnung zugrunde liegende freiheitliche Gedanke vor der ganzen Welt gerechtfertigt; die neidischen, böswilligen und vielfach unehrlichen Tadler dieser Ordnung wären zum Schweigen gebracht.


Wenn von all diesen schönen Manchesterhoffnungen bis zum heutigen Tage keine Spur der Verwirklichung sich zeigt, die Mängel der Wirtschaftsordnung dagegen je länger desto ärger sich breit machen, so muß die Ursache in dem von den Manchesterleuten aus Unkenntnis der Dinge unbesehen aus dem Altertum übernommenen Geldwesen gesucht werden, das einfach versagt, sobald sich die Wirtschaft im Sinne der manchesterlichen Erwartungen entwickelt Man wußte nicht, daß das Geld den Zins zur Bedingung seiner Betätigung macht, daß die Wirtschaftsstockungen, der Fehlbetrag im Haushaltsplan der erwerbenden Klasse, die Arbeitslosigkeit einfach Wirkungen des herkömmlichen Geldes sind. Die manchesterlichen Hoffnungen und die Goldwährung waren unbereinbar.


Die natürliche Wirtschaftsordnung wird nun durch Freiland und Freigelt von all den häßlichen, störenden und gefährlichen Begleiterscheinungen des Manchestertums befreit werden und alle Vorbedingungen für ein wirklich freies Spiel der Kräfte schaffen; dann soll es sich erweisen, ob solche Ordnung nicht doch noch besser ist, als der neumodische Götze, der alles Heil vom Bienenfleiß des Beamten, von seiner Pflichttreue, seiner Unbestechlichkeit und seiner menschenfreundlichen Gesinnung erwartet.

 

Entweder Eigen- oder Staatswirtschaft, ein drittes gibt es nicht. Man kann, wenn man weder die eine noch die andere will, für die gesuchte Ordnung noch so anheimelnde und vertrauenerweckende Namen ersinnen: Genossenschaften, Gemeinwesen, Vergesellschaftung usw. sie können die Tatsache nicht verschleiern, daß es sich im Grunde immer um denselben Schrecken, um den Tod der persönlichen Freiheit, Unabhängigkeit, Selbstverantwortung, d. h. um Behördenherrschaft handelt.

 

Mit den in dieser Schrift gemachten Vorschlägen stehen wir jetzt zum ersten Male am Scheidewege. Wir müssen wählen, uns entschließen. Gelegenheit zu solcher Wahl hatte bisher noch kein Volk. Jetzt zwingen uns die Tatsachen zur Entscheidung. Es geht einfach nicht weiter so wie es ging. Wir haben zu wählen zwischen der Beseitigung der Baufehler unserer alten Wirtschaftsweise und dem Kommunismus, der Gütergemeinschaft. Ein anderer Ausweg ist nicht da.

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Es ist von höchster Bedeutung, mit Bedacht zu wählen. Es handelt sich nicht mehr um Kleinigkeiten, etwa um die Frage, ob Fürstenherrschaft oder Volksherrschaft, oder darum, ob der Wirkungsgrad der Arbeit in der Staatswirtschaft größer ist als in der Eigenwirtschaft. Um höheres handelt es sich diesmal. Wir stehen vor der Frage, wem die Fortzucht des Menschengeschlechtes anvertraut werden soll; ob die mit unerbittlicher Folgerichtigkeit waltende Natur die Auslese vollziehen soll, oder ob die irrende Vernunft des Menschen, und noch dazu des heutigen, heruntergekommenen Menschen, der Natur diese Aufgabe abnehmen soll. Das ist es, worüber wir zu entscheiden haben.


Die Auslese durch den freien, von keinerlei Vorrecht mehr gefälschten Wettstreit wird in der Natürlichen Wirtschaftsordnung vollständig von der persönlichen Arbeitsleistung geleitet, wird also zu einem Sichauswirken der Eigenschaften des einzelnen Menschen. Denn die Arbeit ist die einzige Waffe des gesitteten Menschen in seinem, Kampfe ums Dasein. Durch immer bessere, höhere Leistungen sucht sich der Mensch im Wettbewerb zu behaupten. Von diesen Leistungen hängt es allein ab, ob und wann er eine Familie gründen, wie er die Kinderpflege üben, die Fortpflanzung seiner Eigenschaften sichern kann Man darf sich diesen Wettstreit nicht als Ringkampf wie bei den Tieren der Wüste vorstellen noch auch etwa als Totschlag. Diese Art der Auslese hat beim Menschen, dessen Macht von rohen Kräften ja nicht mehr abhängig ist, keinen Sinn. Man müßte auch schon sehr weit in die Entwicklungsgeschichte des Menschen zurückgreifen, um dort etwa auf Führer zu stoßen, die ihre Stellung roher Kraft verdankten. Darum hat der Wettstreit für die Unterliegenden auch nicht die grausamen Folgen wie dort. Entsprechend ihren geringeren Leistungen stoßen sie bei der Familiengründung, bei der Kinderpflege auf größere Hemmungen, die sich in eine geringere Nachkommenschaft umsetzen müssen. Solches wird im Einzelfall nicht immer festzustellen sein; Zufälle wirken mit. Doch steht es außerhalb jedes Zweifels, daß der freie Wettbewerb den Tüchtigen begünstigt und seine stärkere Fortpflanzung zur Folge hat. Das aber genügt, um die Fortpflanzung der Menschheit in aufsteigender Linie zu verbürgen.


Diese so wiederhergestellte natürliche Auslese wird in der Natürlichen Wirtschaftsordnung noch dadurch besonders unterstützt, daß auch die Vorrechte bei den Geschlechtern aufgehoben sind, indem als Entgelt für die aus der Kinderpflege entstehende Mehrbelastung die Grundrente unter die Mütter nach der Zahl der Kinder verteilt wird. (In der Schweiz etwa 40 Franken im Monat für jedes Kind.) Das dürfte genügen, um die Frauen wirtschaftlich so weit unabhängig zu machen, daß sie keine Ehe aus Not einzugehen, auch nicht eine bereits geschlossene gegen ihr Empfinden fortzuführen, oder nach einem, Fehltritt in das Dirnentum zu versinken brauchen. So wird in der Natürlichen Wirtschaftsordnung der Frau das freie Wahlrecht verbürgt, und zwar nicht das inhaltsleere politische Wahlrecht, sondern das große Zuchtwahlrecht, dieses wichtigste Sieb bei der Auslesetätigkeit der Natur.

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Damit ist dann die natürliche Auslese in ihrer vollen wundertätigen Wirksamkeit wiederhergestellt. Je stärker der Einfluß der ärztlichen Kunst auf die Erhaltung und Fortpflanzung der fehlerhaft geborenen Menschen wird, umso mehr Gewicht muß darauf gelegt werden, daß die allgemeinen, großen Auslesevorrichtungen der Natur in voller Wirksamkeit bleiben. Dann können wir uns dem menschlichchristlichen Empfinden, das zur Anwendung solcher Kunst treibt, unbesorgt weiter hingeben. Soviel Krankhaftes auch der Auslesebetätigung der Natur durch die Fortpflanzung der Fehlerhaften zugeführt wird, sie wird es bewältigen. Die ärztliche Kunft kann dann die Hochzucht nur verlangsamen, nicht aufhalten.


Würden wir uns hingegen für die Staatswirtschaft entscheiden, so schalteten wir die Natur in der Auslese vollends aus. Zwar ist damit dem Staate noch nicht die Zucht dem Namen nach ausgeliefert, aber tatsächlich übt er die oberste Aufsicht darüber aus. Von ihm hängt es ab, wann der Mann an die Gründung einer Familie gehen und welche Pflege ein jeder seinen Kindern angedeihen lassen kann. Wie der Staat seine Beamten schon heute verschieden hoch entlohnt und dadurch in die Fortpflanzung der einzelnen Angestellten in tärkster Weise eingreift, — so dann allgemein. Der Menschenschlag, der den Maßgebenden im Staate gefällt, — der herrscht dann vor. Dann erobert sich der Mensch seine Stellung nicht mehr kraft seiner persönlichen Fähigkeiten, nicht mehr durch sein Verhältnis zur Menschheit und zur Welt; sein Verhältnis zu den herrschenden Parteihäuptlingen gibt dann vielmehr die Entscheidung. Er erschleicht seine Stellung, und die besten Schleicher hinterlassen dann stärkste Nachkommenschaft, — die gesetzmäßig auch die Eigenschaften der Eltern erbt. So züichtet der Staatsbetrieb die Menschen, wie der Wechsel der Kleider mode dazu führt, daß mehr schwarze oder mehr weiße Schafe gezüchtet werden Die Behörde, die aus den geschicktesten Schleichern besteht, emennt den Mann, hebt ihn oder setzt ihn zurück. Wer nicht mitmachen will, kommt ins Hintertreffen; eine Art geht zurück und verschwindet schließlich ganz. Die Staatsschablone ormt den Menschen. Eine Fortentwicklung über diese Schablone hinaus wird unmöglich.


Eine Beschreibung des Gesellschaftslebens, wie es sich im Staatsbetrieb abspielen würde, will ich dem Leser ersparen. Aber erinnern möchte ich daran, wieviel Freiheit das freie Spiel der Kräfte, sogar in der gründlich verpfuschten Ausgabe, die wir vor dem Kriege kennen gelernt haben, großen Kreisen des Volkes bot. Eine größere Unabhängigkeit als die war, deren sich die Leute erfreuten, die Geld hatten, läßt sich wohl gar nicht vorstellen. Sie hatten eine vollkommen freie Berufswahl, arbeiteten nach freiem Ermessen, lebten wie sie wollten, reisten frei bald hierin bald dorthin, die staatliche Bevormundung lernten sie überhaupt nicht kennen. Niemand fragte, woher sie das Geld nähmen. Mit keinem andern Gepäck als einem „Tischlein deck dich!“ in Form eines Scheckbuches reisten sie um die ganze Welt: Wahrhaftig, ein für die Betreffenden musterhafter Zustand, der nur von denjenigen nicht als das goldene Zeitalter

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anerkannt wurde, die von diesen Freiheiten infolge der Baufehler unserer im Grundgedanken richtigen Wirtschaft keinen Gebrauch machen konnten, — von den Proletarier sind aber diese Klagen der Proletarier, sind die Baufehler in unserer Wirtschaft nun ein Grund, um diese selbst zu verwerfen und dafür ein Neues einzuführen, das diese Freiheiten allen rauben und das ganze Volk in die allgemeine Gebundenheit stürzen soll? Wäre es nicht im Gegenteil vernünftiger, die Baufehler zu beseitigen, die klagende Arbeiterwelt zu erlösen und dadurch allen Menschen, restlos allen, die wunderbare, im Grundplan liegende Freiheit zugänglich zu machen? Darin kann doch nicht die Aufgabe liegen, wie wir alle Menschen unglücklich machen sollen, sondern darin allen Menschen die Quellen der Lebensfreude zugänglich zu machen, die allein durch das freie Spiel der Kräfte der Menschheit erschlossen werden können.


Vom Standpunkt des Wirtschaftsbetriebs, also vom Wirkungsgrad der Arbeit, ist die Frage, ob Eigen- oder Staatswirtschaft, gleichbedeutend mit der Frage, ob wir als allgemeine bewegende Kraft für die Überwindung der von den Mühseligkeiten der Berufsarbeit ausgehenden Hemmungen den Selbst-oder den Arterhaltungstrieb (*) einsetzen sollen.

 

(*) Als solchen bezeichnen wir den in jedem Menschen mehr oder weniger ausgeprägten Trieb, der auf die erhaltung. der Art – Gemeinde, VOlk, Rasse, Menschheit – gerichtet ist.)


Diese Frage dürfte ihrer unmittelbar fühlbaren Bedeutung wegen manchenvielleicht näher angehen, als der mit unermeßlichen Zeiträumen rechnende Vorgang der Auslese. So wollen wir auch dieser Frage einige Worte widmen.


Es ist eine eigentümliche Erscheinung, daß der Regel nach der Kommunist der Anhänger der Gütergemeinschaft, die anderen — sofern sie ihm persönlich unbekannt sind — für uneigennütziger hält als sich selbst. Und so kommt es, daß die echtesten Selbstlinge (Egoisten), die in erster Linie an sich denken und oft nur an sich, zugleich in der Theorie begeisterte Vertreter jener Lehre sind. Wer sich hiervon überzeugen will, der braucht nur in einer Versammlung von Kommunisten den gewiß echt kommunistischen Vorschlag der Lohngemeinschaft, des Lohnausgleiches zu machen. Sie sind dann alle plötzlich still, dieselben, die noch vorher die Gütergemeinschaft in allen Tonarten verherrlichten. Sie sind still, weil sie ausrechnen, ob die Lohngemeinschaft ihnen vorteilhaft sein würde. Die Führer lehnen diesen Ausgleich glatt ab, unter den nichtigsten Vorwänden. Tatjächlich steht solcher Lohngemeinschaft nichts anderes im Wege, als der Eigennuß der Kommunisten. Niemand hindert die Arbeiter einer Fabrik, einer Gemeinde, einer Gewerkschaft daran, die Löhne zusammenzulegen, um die Summe dann nach den Bedürfnissen der einzelnen Familien zu verteilen und sich

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auf diese Weise jetzt schon auf diesem schwierigen Gebiet zu üben. Das wäre ein Vorgehen, mit dem sie ihre kommunistische Gesinnung vor aller Welt bezeugen und alle die Zweifelsüchtigen glatt widerlegen könnten, die da sagen, der Mensch sei kein Kommunist. Solchen kommunistischen Versuchen steht wirklich niemand im Wege, — der Staat nicht, die Kirche nicht, das Kapital nicht. Sie brauchen dazu kein Kapital, keine bezahlten Beamten, keine verwickelte Einrichtung. Sie können jeden Tag, in jedem beliebigen Umfang damit beginnen. Aber so gering erscheint das Bedürfnis nach wahrer Gemeinwirtschaft unter den Kommunisten, daß wohl noch niemals ein Versuch dazu gemacht wurde. Dabei verlangt die Lohngemeinschaft, die sich innerhalb des Kapitalismus abspielt, zunächst nur, daß der gemeinsame Arbeitsertrag unter alle nach den persönlichen Bedürfnissen jedes einzelnen verteilt werde. Für den auf Gütergemeinschaft aufgebauten Staat dagegen müßte noch der Beweis erbracht werden, daß diese Grundlage keinen nachteiligen Einfluß auf die Arbeitsfreudigkeit des einzelnen ausübt. Auch diesen Nachweis könnten die Kommunisten mit dem genannten Lohnausgleich erbringen. Denn wenn nach Einführung der Lohngemeinschaft, die jeden persönlichen Sondergewinn für persönlichen Fleiß aufhebt, die Ausdauer nicht nachläßt, namentlich bei der Stückohnarbeit nicht, wenn der Gesamtarbeitslohn durch die Lohngemeinschaft nicht leidetwenn die tüchtigsten unter den Kommunisten ihren oft doppelten und dreifachen Lohn ebenso freudigen Herzens in die gemeinsame Lohnkasse stecken wie heute in die eigene Tasche, — dann wäre der Beweis lückenlos erbracht. Daß die gemeinwirtschaftlichen Versuche, die man zahlreich auf dem Gebiete der Gütererzeugung ausgeführt hat, sämtlich fehlschlugen, beweist die Unmöglichkeit des Kommunismus bei weitem nicht so schlagend, wie die einfache Tatsache, daß der Vorschlag der Lohngemeinschaft immer rundweg abgelehnt worden ist. Denn die Gemeinwirtschaft in der Gütererzeugung bedarf besonderer Einrichtungen, verlangt Unterordnung, eine technische und kaufmännische Leitung und dazu noch die Arbeitsmittel. Mißerfolge können also auf vielerlei Art er klärt werden; sie sprechen nicht unbedingt gegen die Sache an sich, gegen den Mangel am richtigen Geist der Gemeinwirtschaft, am Gefühl der Zusammengehörigkeit. Bei der Lohngemeinschaft fehlt dagegen solche Ausrede vollständig; ihre Ablehnung zeugt unmittelbar wider den kommunistischen Geist und dafür, daß der Urterhaltungstrieb nicht ausreicht, um die Mühseligkeiten der Berufsarbeit zu überwinden.


Und es nützt nichts, daß gegen diese Folgerungen auf den Kommunismus die Gemeinwirtschaft der Alten hingewiesen wird, sowie auf die Zeit des Urchristentums. Die Urchristen, die, wie es scheint, nur die Einkommensgemeinschaft, aber nicht die viel schwierigere Gemeinwirtschaft der Gütererzeugung kannten, handelten aus religiösen Anschauungen heraus. Dabei mußte man aber in der ganzen Welt für sie betteln. Die anderen aber, die den Familien oder Gemeindekommunismus übten, standen unter der Befehlsgewalt des Patriarchen, des Erzbaters; sie arbeiteten im Banne des Gehorsams, nicht

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dem eigenen Triebe folgend. Die Not zwang sie, sie hatten keine andere Wahl Und hier handelte es sich auch nicht um Warenerzeugung und Arbeitsteilung wobei der Unterschied in der Leistung des Einzelnen sofort meßbar in die Augen fällt. Die Alten zogen zusammen aufs Feld, auf die Jagd, auf den Fischfang, sie zogen alle an demselben Seil, und da fällt es nicht auf, ob einer mehr oder weniger zieht. Maßstäbe gab es nicht und brauchte man nicht. So vertrug man sich. Mit der Warenerzeugung und Arbeitsteilung hörte das auf. Da jah jeder sogleich, wieviel Ellen, Pfund und Scheffel der einzelne dem gemeinsamen Arbeitsprodukt zutrug, und da war es mit der Friedfertigkeit bei der Verteilung auch aus. Jeder wollte nun über sein eigenes Arbeitsprodukt verfügen, und zwar vor allem die, die am tüchtigsten waren, die höchsten Leistungen aufzuweisen hatten und die darum auch in der Gemeinschaft das höchste Ansehen genessen. Die Führer erstrebten die Sprengung des gemeinwirtschaftlichen Verbandes, und ihnen schlossen sich alle die an, deren Leistung den Durchschnitt überstieg. Sobald die Möglichkeit der Eigenwirtschaft gegeben war, mußte die Gemeinwirtschaft zerfallen. Nicht weil sie von außen angegriffen worden wäre, nicht, weil fremde Mächte sie fürchteten, zerfiel die Gemeinwirtschaft, der Kommunismus. Nein, sie erlag dem, inneren Feind“ der in diesem Falle sich aus den Tüchtigsten immer wieder ergänzte. Wenn der Gedanke der Gütergemeinschaft auf einem stärkeren Triebe als dem des Eigennutzes aufgebaut wäre, auf einem allen gemeinsamen Triebe, so hätte er sich auch behaupten können. Von selbst hätten die Anhänger der Gemeinwirtschaft, so oft sie durch irgend ein Ereignis auseinander getrieben worden wären, immer wieder zueinandergestrebt

 

Aber der in der Gemeinwirtschaft wirksame Trieb, der Arterhaltungstrieb (Gemeinsinn, Altruismus), ist nur eine verwässerte Lösung des Selbsterhaltungstriebes, der zur Eigenwirtschaft führt, und er steht diesem an Kraft in demselben Maße nach, wie die Verwässerung zunimmt. Je größer die Gemeinschaft (Kommune), umso größer die Verwässerung, umso schwächer der Trieb, zur Erhaltung der Gemeinschaft durch Arbeit beizutragen, Wer mit einem Genossen arbeitet, ist schon weniger ausdauernd, als derjenige, der die Frucht der Arbeit allein genießt. Sind es 10—100—1000 Genossen, so kann man den Arbeitstrieb auch durch 10—100—1000 teilen; soll sich gar die ganze Menschheit in das Ergebnis teilen, dann sagt sich jeder: auf meine Arbeit kommt es überhaupt nicht mehr an, sie ist, was ein Tropfen für das Meer ist. Dann geht die Arbeit nicht mehr triebmäßig vonstatten; äußerer Zwang wird nötig!


Darum ist es auch richtig, was der Neuenburger Gelehrte Ch. Secretan sagt: „Der Eigennutz soll in der Hauptsache den Antrieb zur Arbeit geben. Darum muß alles, was diesem Antrieb mehr Kraft und Bewegungsfreiheit geben kann, unterstützt werden. Alles, was diesen Antrieb hemmt und schmächt, muß als schädlich berurteilt werden. Dies ist der Grundsatz, von denen man ausgehen und den man mit unerschütterlicher Folgerichtigkeit anwenden muß

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unter Verachtung kurzsichtiger philantropischer Entrüstung und der kirchlichen Verdammnis.“

 

So können wir also mit gutem Grunde auch denen, die an den Hochzielen der Natürlichen Wirtschaftsordnung sich unbeteiligt glauben, nur Gutes von dieser Ordnung versprechen; sie werden sich eines besser gedeckten Tisches, schöneren Gärten, besserer Wohnungen erfreuen. Die Natürliche Wirtschaftsordnung wird auch technisch der heutigen und der kommunistischen Überlegen sein.

 

Stäfa am Zürichsee, im Herbst 1918.
Silvio Gesell.

 

 

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