IZ: 8 Epilog – Geist und Wissenschaft

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Das schönste und ergreifendste unserer Gefühle
ist die Empfindung des Mystischen.
Diese Empfindung ist die treibende Kraft
hinter jeder wahren Wissenschaft.
Albert Einstein

 

Seit ich im ersten Kapitel meinen verschreckten Studenten gegenüber gesessen habe und meine Reise in die Neue Biologie begann, haben wir einen langen Weg zurückge­legt. Ich bin jedoch nie weit von meinem Thema abgekommen: daß kluge Zellen uns lehren, wie wir besser leben können.

 

Jetzt, am Ende dieses Buches, möchte ich darüber berichten, wie mein Studium der Zellen mich zu einem spirituellen Menschen gemacht hat. Ich möchte auch erklären, warum ich in Bezug auf das Schicksal dieses Planeten optimistisch bin, auch wenn einem das angesichts der täglichen Nachrichten manchmal nicht leicht fällt.

 

Ich habe meine Ausführungen über Geist und Wissenschaft absichtlich getrennt von den übrigen Kapiteln in den Epilog gelegt. Ein Epilog ist in der Regel ein kurzer Abschnitt am Ende eines Werkes, in dem das weitere Schicksal der Hauptfigur erläutert wird – die in diesem Fall ich selbst bin. Als mir die Erkenntnis, die zu diesem Buch führte, vor zwanzig Jahren zum ersten Mal durch den Kopf schoß, wurde mir etwas klar, was mein Leben von Grund auf veränderte.

 

Im ersten Moment meines großen Aha-Erlebnisses staunte mein Gehirn nur über diese neue Sicht auf die Zellmembran. Ein paar Herz­schläge später überwältigte mich eine so tiefe Freude, daß es mir wie ein Stich ins Herz fuhr und mir Tränen in die Augen schossen. Diese Wirkweise der Zellmembran offen­barte mir die Existenz unserer spirituellen Natur und unserer Unsterblichkeit.

 

Aus mei­ner Sicht waren die Schlußfolgerungen so über jeden Zweifel erhaben, daß ich auf der Stelle zum Gläubigen wurde. Ich weiß, daß die Schlußfolgerungen, die ich Ihnen hier darstellen möchte, manchen zu spekulativ sein werden.

 

Die in den vorherigen Kapiteln dargestellten Erkenntnisse beru­hen auf einem fünfundzwanzigjährigen Studium geklonter Zellen. Sie wurzeln in den erstaunlichen neuen Entdeckungen, die uns ein neues Verständnis der Geheimnisse des Lebens vermitteln.

 

Die Schlußfolgerungen, die ich in diesem Epilog darstellen möchte, beruhen ebenfalls auf meiner wissenschaftlichen Arbeit. Sie haben nichts mit religiöser Erweckung oder dergleichen zu tun. Ich weiß, daß sich so mancher konventionelle Wis­senschaftler damit nicht befassen will, weil es hier um Spiritualität geht, aber aus zwei Gründen möchte ich sie trotzdem hier präsentieren.

 

Zum einen gibt es in der Philosophie und in der Wissenschaft das sogenannte Ökono­mieprinzip. Wenn zur Erklärung eines Phänomens mehrere Hypothesen gebildet wur­den, dann gilt diesem Prinzip zufolge die einfachste Hypothese, die für die meisten Be­obachtungen zutrifft, als die wahrscheinlichste.

 

Die neue Wissenschaft der magischen Membran bietet im Zusammenhang mit den Prinzipien der Quantenphysik die einfachs­te Erklärung, die sich nicht nur im Bereich der Schulmedizin, sondern auch im Bereich der alternativen und spirituellen Heilweisen bestätigt.

 

Und nach vielen Jahren, in denen ich diese Wissenschaft auch auf mein persönliches Leben angewandt habe, kann ich be­zeugen, daß sie auch Leben verändern kann.

 

Ich gebe zu, daß meine euphorischen Momente der Erkenntnis zwar durch einen wis­senschaftlichen Ansatz eingeleitet wurden, daß die Erfahrung selbst jedoch den sponta­nen Offenbarungen ähnelte, die von manchen Mystikern beschrieben werden.

 

Erinnern Sie sich an die Geschichte von Saul, der von einem Blitz getroffen vom Pferd geworfen wurde? In meinem Fall fuhr zwar kein Blitz aus dem karibischen Himmel herab, doch ich lief mit irrem Blick in die medizinische Bibliothek, weil meine neue Sicht auf die Funktionen der Zellmembran, die mir in den frühen Morgenstunden zuteil geworden war, mich davon überzeugt hatte, daß wir unsterbliche, spirituelle Wesen sind, die unab­hängig von den Körpern existieren.

 

Ich hatte eine nicht zu leugnende innere Stimme ge­hört, die mir vermittelte, daß ich mein Leben nicht nur unter der falschen Prämisse leb­te, daß die Gene unsere Biologie steuern, sondern auch unter der falschen Prämisse, daß es mit uns vorbei ist, wenn unser Körper stirbt.

 

Jahrelang hatte ich die molekularen Kontrollmechanismen unseres Körpers studiert, doch in diesem Augenblick erkannte ich, daß die »Protein-Schalter«, die das Leben steuern, im Wesentlichen durch Signale aus der Umgebung – dem Universum – an- und ausgeschaltet werden.

 

Es überrascht Sie vielleicht, daß mich die Wissenschaft zu solch einer spirituellen Er­kenntnis geführt hat. In wissenschaftlichen Kreisen ist alles Spirituelle ebenso gern ge­hört wie das Wort »Evolution« bei den religiösen Fundamentalisten.

 

Wie Sie wissen, betrachten tief religiöse Menschen und rationale Wissenschaftler das Leben auf höchst unterschiedliche Weise. Wenn im Leben etwas schief geht, dann wenden sich religiöse Menschen an Gott oder eine andere unsichtbare Macht.

 

Der Wissenschaftler wendet sich hingegen an seinen Arzt oder Apotheker.Es ist durchaus stimmig, daß mich die Wissenschaft zu dieser Erkenntnis gebracht hat, denn die neuesten Entdeckungen der Physik und der Zellforschung schmieden neue Verbindungen zwischen der Welt des Geistes und der Welt der Wissenschaft.

 

Zu Des­cartesʼ Zeiten wurden diese Welten getrennt – ich glaube jedoch, daß wir erst durch die Verbindung von Geist und Wissenschaft die Mittel finden werden, eine bessere Welt zu erschaffen.