Die erste Entdeckung: Experimente mit Muskeltesten

Dr. Goodheart gelangte zu dieser Entdeckung, wie er es selbst formulierte, „durch reinen Glückszufall“. Er behandelte einen jungen Mann, der darüber klagte, daß er keine Anstellung finden könne, die Handarbeit beinhalte.

 

Jedesmal scheitere er an der physischen Untersuchung, weil seine Schulterblätter nach hinten „heraussprängen“. Nach Untersuchung des Muskels, der das Schulterblatt nach vorne bewegt, stellte Goodheart voller Erstaunen fest, daß der Muskel nicht atrophiert war – was aufgrund des Bewegungsmangels eigentlich zu erwarten gewesen wäre. Außerdem fand er einige schmerzhafte Knötchen an der Stelle, wo der Muskel am Brustkorb ansetzt. Wenn er auf diese drückte, schienen sie sich aufzulösen, und wenn er sie gut massierte, wurde der Muskel selbst stärker.

 

Diese aufschlußreiche Entdeckung führte zu weiteren Experimenten mit Muskeltests unter standardisierten Bedingungen. Goodheart fand heraus, daß immer dann, wenn ein Muskel schwach wurde, der korrespondierende Muskel auf der gegenüberliegenden Körperseite zur Verspannung tendierte.

 

Wurde die Schwäche allerdings korrigiert, so ließ die Straffheit beziehungsweise der Krampf nach. Hierbei handelte es sich um eine revolutionäre Beobachtung, zumal bis zu jenem Zeitpunkt angenommen wurde, daß die Verkrampfung zuerst auftrete und dann eine Schwäche auf der gegenüberliegenden Seite folge. Gemäß Goodhearts Ausführungen tritt – umgekehrt – zuerst die Muskelschwäche ein; diese wiederum könne aus einer Vielzahl von Ursachen resultieren, die bis dahin noch unbekannt gewesen waren.


Bei seinen weiteren Muskeltestexperimenten stellte Goodheart durch puren Zufall fest, daß die Schwäche einiger Muskeln auf Trägheit im lymphatischen System beruht, dem Fluß der Lymphe, die das Körpergewebe versorgt und reinigt. Eine Massage bestimmter Reflexpunkte auf dem Körper stimulierte das lymphatische System und stärkte die entsprechenden Muskeln.


Nach und nach prüfte Goodheart die Beziehungen der Muskeln zu anderen Körpersystemen. Zu schwache Durchblutung zum Beispiel bewirkte eine Schwäche oder eine mangelhafte Zirkulation der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit oder falsche Ernährung oder Störungen in einem Akupunkturmeridian. (Siehe unten: Die Verbindung zur Akupunktur)

 

Dieser Zusammenhang erklärte, warum chiropraktische Korrekturen nicht immer anhielten, so daß einige Patienten weiterer Behandlung bedurften. Eine angemessene Korrektur dieser Schwächen wie etwa Massage, sanfte Berührung oder die Verordnung von Vitaminen stellte eine dauerhafte Harmonie im Körper her.

 

Hier handelte es sich in der Tat um eine schnelle und präzise Methode, um sowohl den Zustand zahlreicher Körpersysteme zu sondieren als auch jede während des Sondierens gefundene Störung aufzuheben.

 

George Goodheart begann die Techniken der Angewandten Kinesiologie an andere Chiropraktiker weiterzugeben, und diese übernahmen sie voller Begeisterung.

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