Ton - Von Gestein zu Gestein Ton ist ein natürlich vorkommendes, vorwiegend anorganisches Material, das hauptsächlich aus Tonmineralen besteht, bei ausreichenden Wassergehalten generell plastisch verformbar ist und spröde wird, wenn es getrocknet oder gebrannt wird. 

Ton ist ein erstaunliches Gestein – im trockenen Zustand empfindlich und spröde, in feuchtem Zustand formbar und nach Einwirkung hoher Temperaturen dauerhaft fest. 

 

Aufgrund seiner besonderen Eigenschaften beeinflusst Ton die biologische Welt wie kein anderes Mineral. Ton ist ein faszinierendes Gestein – im trockenen Zustand empfindlich und spröde, in feuchtem Zustand formbar und nach Einwirkung hoher Temperaturen dauerhaft fest. Aufgrund seiner besonderen Eigenschaften beeinflusst Ton die biologische Welt wie kein anderes Mineral. 

 

Und er hat nach der Entdeckung seiner vielseitigen Verwendbarkeit durch den Menschen den Lauf der Geschichte verändert. Um die Besonderheiten des Tons besser zu verstehen, besucht das Kamerateam Forscher, Töpfer und Ziegelhersteller in Indien und geht in Frankreich den Geheimnissen des Gesteins auf den Grund. 

 

Anschließend begibt es sich in Namibia auf die Jagd nach Staubpartikeln und spricht mit Termitenforschern, bevor Wissenschaftler in den USA die entscheidende Rolle des Tons für das Überleben der Ökosysteme auf unserem Planeten aufzeigen. Dokureihe, Regie: Christophe Cousin und Matthieu Mailler

Transskript des Videos

Einfluss der tonigen Umgebung auf die hier lebenden Spezies dokumentieren.

Okay. Salzgehalt 10,78,

Temperatur 21,8. Jetzt der pH Wert

8,12.

Der Trübheitsgrad des Wassers hat eine große Bedeutung für die verschiedenen Tierarten, die hier leben. Denn in sehr

trübes Wasser dringt nur wenig Licht vor. So können z.B. viele kleine Fische ihren Fressfeinden einfacher entkommen.

Der Ton ist der entscheidende Faktor hier. Er bestimmt auf vielfältige Weise, wie

die Abläufe und Strukturen im Tierreich funktionieren und wie die Spezies miteinander interagieren.

Was Sie hier sehen, ist so viel mehr als einfach nur Ton.

Hier pflegt jede Spezies eine besondere Beziehung zum Ton. Manchen bietet Ernahrung, anderen Zuflucht.

Selbstgrundeln sind hier zu finden, da sie sich an alle Formen des Tons, ob nun

flüssig oder fest anpassen können. Doch die Wechselwirkungen zwischen der Tierwelt und dem Reich der Mineralien

hören da nicht auf.

Das ist eine der zahlreichen Mangrovenarten, die in den indischen Sonderbands zu finden sind.

Die Pflanzen der Gattung Avisenia sind für das gesamte Ökosystem von großer Bedeutung.

Warum? Direkt nach dem Auskeimen treiben sie an andere Orte, wo sich um ihre Wurzeln

herum Ton anzusammeln beginnt. Ich spreche hier nicht von einzelnen Pflanzen, ich spreche von Millionen und

aber Milllionen davon. Sie sorgen dafür, dass sich Wattflächen bilden, die dann immer größer werden.

Wenn man also bedenkt, wie solche Wattflächen entstehen, stellt man fest, dass man groenbäumen bei diesem Vorgang

eine Schlüsselrolle zukommt

und ohne Ton gibt es keine neue Landmasse.

Im Ganges Delta bilden sich durch das Zusammenwirken von Wasser, Mangroven und Ton Inseln aus kleinen Partikeln, die

als Folge der Erosion in den Bergen des Himalayas entstehen. Doch Ton ist auf der ganzen Welt zu finden, überall dort,

wo Muttergestein zerfällt, sogar in Städten.

Halkutta ist auf Tonschichten gebaut, die stellenweise bis zu 60 m dick sind

und jeder scheint dies vergessen zu haben, oder fast jeder. Im Komuliviertel

haben Menschen schon immer Ton verarbeitet. Hier stellen hunderte Töpfer über mehrere Monate mehr als 10 000 Statuen

her, die Mais Saraswati, der Göttin des Wissens und der Künste gewidmet sind.

Mit ihren Händen formen sie den Ton und erzählen so die Geschichte der Welt. Mit

ihren Füßen vermischen sie den Ton mit Wasser und bringen so seine Eigenschaften hervor. Sonatolelo ist

einer dieser Töpfermeister.

Ist der Ton hart, wird ihm mehr Wasser beigischt. ist er weich oder schwammig, weniger.

Und wenn versehentlich zu viel Wasser im Ton ist, trete ich das Wasser an der Wand heraus.

Ich passe meine Arbeitsweise an.

Der Ton, den Sonol Gelo verarbeitet, stammt aus dem Ganges. Doch einer alten

Legende nach kommt dieser Ton von den Türschwellen der Bordelle von Kalkutta.

Es heißt, dass Freier beim Abtreten ihrer Füße ihre Reinheit verlieren, für die der Ton symbolisch steht. Heute

glaubt niemand im Viertel mehr an diese Legende, aber die Verbindung zwischen Sonol Gelo und dem Ton ist deswegen

nicht minder einzigartig. Für ihn ist Ton mehr als nur Materie.

Ton gehört zu meiner Familie. Ich verbringe mehr Zeit mit ihm als mit meinen Liebsten.

Ich finde Liebe darin, ihn zu bearbeiten, zu kneten, zu mischen. Ja, ihm gegenüber empfinde ich Liebe,

Zuneigung und Zärtlichkeit. Und wenn ich ihn gerade nicht bearbeite,

vermisse ich ihn. Unser Leben in dieser Welt verdanken wir

Göttinnen und Göttern. Ich bin gewissermaßen deren Kind.

Es erfüllt mich also mit Stolz, ihre Schönheit durch Formgebung nachbilden zu können.

Ich muss diese Göttin schön machen, denn sie hat uns schön gemacht.

Hin und wieder frage ich mich, wie ich mich verbessern kann. Wie kann ich ihr Gesicht noch schöner

machen? Dadurch, dass ich ihr Lächeln stärker betone,

wird es den Leuten gefallen. Diese Fragen beschäftigen mich.

Ein Element ist besonders kompliziert, die Augen.

Man muss ruhig sein und sich auf die Arbeit konzentrieren. Beim Gestalten der Augen darf man nicht

abgelenkt sein, denn erst die Augen machen die Statue zu einem Ebenbild der Göttin.

[Musik] Im Kumartuliviertel von Kalkutta werden

Gottheiten in Ton nachgebildet. Viele Religionen besagen sogar, der

Mensch werde in Ton geboren. An der Universität von Portier in Frankreich glauben Geowissenschaftler

nur das, was sie sehen.

Einer von ihnen ist Baptist das SAS. Ton ist Gegenstand seiner Untersuchungen. Er

erforscht die Struktur des Tons, um seine Plastizität und seine Wechselwirkungen mit der jeweiligen

Umgebung besser zu verstehen.

Hier haben wir eine Probe von Ton, wie z.B. in einer Töpferei verarbeitet wird.

Wenn wir mit dem Mikroskop heranzoomen, sehen wir die Partikel, aus denen er besteht.

Die Auflösung hier beträgt 100 Mikrometer, also ein Zehntel Millimeter. Wenn wir weiter heranzoomen, erkennen

wir Quarzkristalle. Quarz kennt jeder von uns. Es ist der Sand, auf dem wir am Strand laufen. Und

hier sehen wir, warum es sich bei diesem Gestein um Ton handelt.

Wenn wir nämlich noch weiter heranzoomen, entdecken wir solche gestapelten Schichten. Dieses Mineral

hier ist der eigentliche Ton. Diese Schichten kann man mit einem Stapelblätter oder einem Kartenspiel

vergleichen. Die Blätter lassen sich problemlos voneinander lösen.

Wir verstehen nun allmählich, warum es für einen Töpfer so einfach ist, mit diesem Material zu arbeiten.

Zum einen ist es leicht zu bearbeiten, weil diese Schichten gegeneinander beweglich sind, was das Material

plastisch verformbar macht. Und zum anderen ist das Material sehr

feinkörnig und ermöglicht daher eine äußerst detaillierte Ausarbeitung.

Bei einer Kerngröße von 1 mm könnte ein Töpfer niemals Details formen, die kleiner als 1 mm sind.

Bei Ton bewegt sich die Partikelgröße im Mikrometerbereich, was eine wesentlich feinere Formgebung möglich macht.

dansie important

und nun stellen sie sich ein Kubikzentimeter reinen Ton vor. Wenn wir alle gestapelten Schichten, aus

denen dieser Würfel besteht, ausbreiten könnten, würden sie eine Fläche bedecken, die fast so groß ist wie ein

Fußballfeld. Und diese ganze Oberfläche steht für Reaktionen mit Wasser und anderen

Elementen zur Verfügung. Ton ist eines der Mineralien mit der größten Austauschoberfläche überhaupt. Sobald

etwas aus der Atmosphäre in den Untergrund gelangt, kommt es in Kontakt mit diesem Mineral, das eine hohe

Austauschkapazität hat und dadurch sehr dynamisch mit Wasser und Organismen interagiert.

Bestimmte Gesteinstypen brauchen Millionen von Jahren, um infolge verschiedener Prozesse an die Oberfläche

aufzusteigen. Ton zeichnet sich dadurch aus, dass er zwar durch Erosion im Untergrund entsteht, jedoch unmittelbar

mit Leben in Kontakt kommt. Ton ist überall auf der Erde Oberflächen

naah zu finden und zwar dort, wo als Folge der Erosion oder Verwitterung des Muttergesteins neue Böden entstehen.

Diese Schicht bezeichnen Wissenschaftler als die kritische Zone. Der Ton lagert

dort aber nicht einfach nur. Er hat die unglaubliche Eigenschaft, Nährstoffe für Lebewesen zu speichern, zu

transportieren und zu verteilen. In der Region Pedmont in den USA erforschen

Wissenschaftler die zentrale Rolle, die Tonminerale und die kritische Zone beim Entstehen des Lebens spielten.

Bäume, Felsen, Mikroben, Flüsse, die Luft, die wir atmen, das ist die

kritische Zone. Die kritische Zone reicht vom Kronach der Bäume bis zum tiefsten Grundwasser.

Im Maßstab der Erde ist es aber nur eine sehr dünne, empfindliche Schicht. Man kann sie die Haut der Erde nennen

und sie ist sehr verletzlich. Daniel Ricker, Bodenkundler an der Duke

University in North Carolina, ist einer der weltweit führenden Tonspezialisten.

Er geht der Frage nach, wie Ton nicht in Flussmündungen, sondern in der Tiefe des Bodens mit Hilfe von Bäumen entsteht.

Pitmont ist Tonland. Ton entsteht in der kritischen Zone durch die Verwitterung des

Muttergesteins. Unter Verwitterung fallen Auflösung, Zerfall und mechanische Belastungen, die

dazu führen, dass Gestein zerbricht. Und dann sind da noch die von Bäumen und Bakterien produzierten Säuren, die das

Muttergestein zersetzen. Eines der Endprodukte davon ist Ton.

Es ist ein vollständig biogeochemisches Produkt, ein Produkt biologischer Prozesse.

[Musik] Indem sie mit ihren Wurzeln tief in die Erde vordringen, tragen die Bäume zur

Entstehung von Tonmineralen bei. Im Gegenzug versorgen diese die Bäume mit

15 Mineralien, die sie zum Überleben brauchen, darunter Calcium, Eisen und Kalium.

Gesundes Leben auf der Oberfläche setzt gesunde Böden voraus.

Das ist eine gute Probe. Oh mein Gott, sieht dir das an.

Was siehst du? Zerbrechliches Gestein. Bestimmt Muttergestein, das sich in Ton

verwandelt. Es bildet sich also Ton. Starke Verwitterung findet somit selbst in 6

bis 8 m unter der Erdoberfläche statt. Toll.

Die kritische Zone ist also eine wahre Tonfabrik. In allen Wäldern der Erde tragen die

Bäume dazu bei, Muttergestein zu zersetzen. Danach vergehen noch tausende von

Jahren, bis die Tonpartikel durch geologische Kräfte an die Oberfläche gelangen. Sie vermischen sich mit

organischer Materie und bilden den Waldboden. Ab da findet eine Interaktion nicht nur

mit Bäumen, sondern mit allen Lebewesen statt. Und all das geschieht im Verborgenen unter unseren Füßen.

Der Boden im Wald ist mit organischer Materie bedeckt.

Erdwürmer, Bakterien und Pilze verwandeln diese organische Materie in hochwertigen Humus, erzeugen also die so

wichtige Humusschicht. Direkt darunter beginnt aber schon die Welt der Mineralien.

Sobald Humus auf Ton mit seiner großen Austauschoberfläche trifft, gehen sie eine wundersame Verbindung ein.

Und ein gesunder Wald braucht unbedingt diese Tonhumusmischung.

Ton ist das zentrale Element im System der Böden. Man kann sogar sagen, dass Ton auf eine

gewisse Weise lebendig ist. Er verändert sich über die Zeit, interagiert mit

Mikroben, Wurzeln, Menschen. Es ist faszinierend im Leben hin und

wieder solche unsichtbaren Dinge sehen zu können und dabei festzustellen, dass die Welt

ein aufregender Ort ist. viel aufregender, als wir es uns vorstellen können.

Und ein Teil davon sind diese Tonpartikel und das Paradox, dass sie zwar winzig sind, aber eine derart

weitreichende Bedeutung haben.

Es kommt vor, dass die Haut der Erde, die kritische Zone freigelegt, ihrer

pflanzlichen Hülle beraubt, beschädigt wird.

Der Ton ist dann den Witterungseinflüssen ausgesetzt und wird von Wasser und Wind weggespült und

fortgetragen, weit weg.

Auch wenn es nicht danach aussieht, genau das geschieht in Namibia. Dort entstehen nach starken Regenfällen

mitten in der Wüste große temporäre Flüsse, die Ton und Sedimente ins Herz

der Dünenlandschaft spülen.

Der Sedimentologe Rogers Wart interessiert sich für dieses seltsame Phänomen, das die Welt der Lebewesen

durcheinander bringt. Temporäre Flüsse führen nur in der Regenzeit nach starken Niederschlägen

Wasser. Es ist erstaunlich, wie sich in diesen Flussbetten so schnell so viel Wasser ansammeln kann und diese Ströme

fließen sehr schnell. Dabei spülen sie Sand und Schlamm fort. Fluss abwärts

erreichen Sie eine Dühnenlandschaft, wo die Ströme nur noch langsam fließen.

Dadurch können Sie die Sedimente nicht mehr mitführen und in dieser letzten Phase setzt sich der Schlamm ab, wodurch

Tonablagerungen entstehen.

Sie sehen, dass alles in dünnen, flachen Schichten angeordnet ist. Das meiste Material ist Sand, feiner Sand.

Hier oben sehen wir eine kleine Tonschicht, die sehr gut erhalten ist.

Mancher Orts sind solche Schichten sehr mächtig. Wir beginnen erst zu verstehen, wie

wichtig es ist, dass temporäre Flüsse, Ton, Strom abwärts tragen.

Mitten in der Wüste bleibt einem ungeübten Betrachter das Wichtigste verborgen. Doch für Roger Swart

enthalten die trockenen Flussbetten viel mehr als nur Sand und Ton.

[Musik] Sie liefern auch die Mineralien, die für

die Entwicklung des Lebens unverzichtbar sind. Diese lagern sich in der kritischen Zone

auf der Oberfläche der trockenen Flussbetten ab. Doch in diesem Teil der Welt ist das Klima für Lebewiesen nicht

gerade einladend. [Musik]

In der Region Deadfay, was auf Afrikans wörtlich der tote Sumpf bedeutet,

versuchen manche dennoch ihr Glück. Hier wuchsen einige Jahre lang Akazien,

aber als der Fluss allmählich versandete und das Wasser verschwand, starben und verdorrorten sie in der Sonne.

[Musik] Doch die Erde wartet mit ungeahnten

Ressourcen auf. [Musik]

Im Winter, wenn die Flüsse austrocknen, gehen der Staub und die Tonpartikel wieder auf Reisen. Die Partikel haben

eine abgeflachte Form. Wenn der Wind sie wegwäht, erhalten sie

einen gewissen Auftrieb und können hunderte Kilometer zurücklegen. Einige Satellitenaufnahmen von Staubwolken aus

Namibia legen nahe, dass sie bis zu 800 km weit getragen werden.

Wind ist unverzichtbar, wenn es darum geht, Ton zu verteilen und ihn bis zu den Ozeanen zu tragen, wo er sich

ablagert. Tonpartikel sind wichtig, weil sie viele

Mineralien enthalten, darunter Eisen, Stickstoff und Phosphor.

Sie sind eine bedeutende Energie und Nährstoffquelle für die Meere.

Starke Sandstürme sind für die Versorgung der Ozeane mit Nährstoffen entscheidend, weil die Ozeane relativ

arm an Eisen sind. Sie benötigen also Eisen vom Festland und Eisen wirkt auf

marine Mikroorganismen tatsächlich stimulierend, besonders auf Plankton und Algen wie Diatomeen, aber auch auf

andere kleinstlebewesen. Diese wiederum sind die Basis diverser Nahrungsketten, die bis zu uns reichen.

Es ist ein wenig paradox, dass die Wüste das Meer mit Leben füllt. Insofern ist es toll, diese Staubwolken zu sehen,

denn das bedeutet, dass die Erde lebt, dass die Prozesse und Abläufe funktionieren. Tatsächlich ist es eine

starke Botschaft, die wir von diesen Staubwolken erhalten.

Sand ist zu schwer, um über große Distanzen befördert zu werden. Ton dagegen überquert manchmal ganze Ozeane.

Tonpartikel aus der Sahara, einst im riesigen See entstanden, der diese Region bedeckte, werden häufig bis nach

Südamerika getragen. Jedes Jahr finden ca. 27 Millionen

Tonnen Staub und 22 000 Tonnen Nährstoffe ihren Weg über den Atlantik,

wo sie die Böden des größten Regenwaldes der Welt düngen im Amazonas Gebiet.

Und so überraschend es klingen mag, Tonminerale ernähren nicht nur Bäume.

Manche Tiere sind gelegentlich Geophag, also Erdesser. Ton dient ihnen zur Pflege und

Reinigung, aber auch als Quelle fehlender Mineralstoffe.

Doch zurück nach Namibia, denn erst hier in der Savanne von Kaokoland werden die

besonderen Beziehungen zwischen zahlreichen Kleinstlebewesen und Ton deutlich.

Experte auf diesem Gebiet ist der Entthomologe Eugene Maret. Er ist auf der Suche nach verlassenen

Termitenhügeln, um deren Tonminerale zu analysieren.

Es ist interessant, wie einfach es für Termiten ist, Ton zu finden, selbst in

dieser überwiegend sandigen Gegend. Termiten sind wahre Ingenieure und

können auf der Suche nach Ton 30 oder 40 m tief in den Boden vordringen.

Ich bin unter anderem hier, um herauszufinden, welche Mineralien diese Hügel enthalten.

Das ist sehr wichtig. Oft enthalten Termitenhügelstoffe, die in der jeweiligen Umgebung selten

vorkommen. Manchmal suchen Elefanten nach Termitenhügeln, um sie aufzubrechen und

die Erde zu fressen, weil sie phosphorhaltig ist. Und das machen nicht nur Elefanten,

sondern auch andere Tiere, ja sogar Menschen.

[Musik]

Das Spannende an Ton sind seine Eigenschaften. Manche von ihnen sind sehr spezifisch.

Kein anderes Mineral weist sie auf. Und die Termiten machen sich diese Eigenschaften des Tons zu Nutze.

Wenn es viel Ton gibt, können sie sehr, sehr schöne Türme errichten.

Diese sind äußerst stabil, denn durch trocknen und erwärmen wird Ton extrem fest,

fest wie Stein, sodass man daraus Mauern oder eine Befestigungsstruktur errichten kann.

Wenn Sie mit ihrem Auto gegen einen Termitenhügel fahren, geht das Auto kaputt und nicht der Termitenhügel.

Zugleich ist es aber auch ein Schwamm, der Wasser ins Innere des Baus durchlässt.

Für die Termiten und eigentlich auch für alle Wissenschaftler, die diese erforschen, dreht sich letztendlich

alles um Ton. Ton ist ihre Lebensgrundlage.

Cucin Mare hat herausgefunden, wozu die spitz zulaufenden Hügel dienen, die die

Termiten im meisterlicher Töpferarbeit errichten.

Termiten bauen diese Turmspitzen, um die Energie des Windes zu nutzen.

Sie funktionieren wie die menschliche Lunge. Durch Winddruckänderung wird auch der Luftdruck im Nestinneren ständig

angepasst. und zwar sehr effektiv. In nur 2 Minuten kann die Luft im Nest komplett

ausgetauscht werden.

Dieser Hügel ist ein Superorganismus. Termiten leben in Staaten.

Jedes einzelne Insekt erfüllt darin eine ganz bestimmte Aufgabe und irgendwie arbeiten sie zusammen,

ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein.

[Musik]

Großen Arbeiter schleppen normalerweise schwere Lasten an und die kleinen Arbeiter übernehmen die finale

Verarbeitung. Die einen sind für das Grobe, die anderen für das Feine zuständig.

Dann sind dann noch die großen Soldaten. Sehen Sie, wie er mich zu beißen

versucht. Du willst nicht gestört werden, oder? Deswegen willst du mich beißen. Ich zerstöre deinen Bau.

[Musik]

Was wir hier sehen, ist der Nestkern, das Herz des Termitenstaates.

Die meisten Tiere halten sich hier auf. Die meisten Aktivitäten finden hier statt.

Das hier ist nur der Überbau, der Schornstein und dafür wird das beste Baumaterial,

das Gold der Termiten, verwendet, Ton. Der herbeigeschaffte Ton wird verbaut

und dabei werden all seine Eigenschaften genutzt. Er ist sehr weich und elastisch, zugleich aber auch gut

formbar. Termiten sind fleißige Arbeiter. Schäden werden sehr schnell repariert. Sie können täglich bis zu 200

Kon bewegen. Der Schaden, den wir verursacht haben, macht den Termiten nicht wirklich etwas aus. Bis heute

Abend wird alles verschlossen und der Bau repariert sein.

Die indigenen Völker der Region haben die Rolle der Termiten als Bindeglied zur Welt der Mineralien gut verstanden.

Am Fuße von Termitenhügeln decken sich die Frauen des Himberstammes ein. In der

Schwangerschaft wird er gegessen, um den Bedarf des Fötus an Mineralien zu decken.

Zudem dient Ton ihnen als Baumaterial für die Wände ihrer Hütten.

Seit Urzeiten begleitet Ton die Menschheit bei ihrer Entwicklung. Tontafeln gehören zu den ersten

Schriftträgern. In Tongefäßen wurde Nahrung aufbewahrt.

Tonverarbeitung machte den Menschen sesshaft und eines Tages landete Ton in

einem Ofen und das veränderte seinen Stellenwert grundlegend.

In der Nähe von Kulpi in Indien wird an den Ufern des Ganges seit Jahrhunderten in fast unveränderter Form Ton gewonnen,

um Backsteine herzustellen.

An diesem Ort, wo die Bewegungsabläufe eher einem Ameisenbau, denn einem Thmitennest ähneln, leben hunderte von

Familien, die Ton vorbereiten, formen und brennen, um ihn auszuhärten.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden Form und Größe des Backsteins angepasst, damit Menschen ihn einfacher verbauen

konnten. Doch für Vorarbeiter Silent Pramanik sind Backsteine mehr als nur

Baumaterial.

Der Anblick unserer Backsteine macht mich glücklich. Sie sind für mich wie eine Nabelschnur. Backsteine ernähren

mich und meine Familie. Eine Charge Backsteine herzustellen dauert ziemlich lange. Man muss mit 25

bis 30 Tagen rechnen. Von der Gewinnung des Tons bis zur Entnahme der fertigen Steine aus dem Ofen. Hier schwört jeder

auf seine eigene Mischung. Wir fögen dem Ton organische Stoffe und Sand hinzu,

damit die Backsteine beim Trocknen in der Sonne keine Risse bekommen.

Ton, Wasser und Sonne spielen jeweils ihre Rolle in diesem Prozess, der fast

wie Alchemie anmutet. [Musik]

Ein guter Backstein setzt die Fähigkeit voraus, wie es heißt, das Feuer am Laufen zu halten

und für die richtige Temperatur im Ofen zu sorgen.

[Musik] Beim Brennen zerfällt die geschichtete Innenstruktur des Tons und die Partikel

verbacken miteinander. Dabei entstehen Kristalle. Der Ton wüst seine plastischen

Eigenschaften ein und stirbt gewissermaßen. Doch im Gegenzug bildet sich ein neues

Material, Backstein.

Man kann sagen, dass alles mit Ton und Backsteinen begann.

Das war der Ursprung der menschlichen Zivilisation. Wenn wir uns Indien zur Bronzezeit

anschauen, stellen wir fest, dass die Menschen der Induskultur bereits die Technik des Tonbrennens beherrschten.

Bei archäologischen Ausgrabungen wurden aus Backstein gebaute Häuser und Tempel entdeckt.

Backsteine haben die Menschheit schon immer begleitet. Sie erlauben es den Menschen sich weiter

zu entwickeln und am Fortschritt teilzaben.

Die Verarbeitung von Ton ist eine der Grundlagen unserer Wirtschaft.

Daraus werden unsere Wohnungen, unsere Häuser und unsere Fabriken gebaut.

Das alles besteht aus Ton. Deswegen sagen wir hier auch Ton ist Geld und Geld ist Ton.

[Musik]

Alle Einwohner dieser Gegend sind direkt oder indirekt von diesen Backsteinfabriken abhängig, ob nun mit

oder ohne Diplom, einfach alle. শিক্ষিত অর্ধশিক্ষিত সবাই

[Musik]

wir sind in diesen Dörfern aufgewachsen. Wir haben eine innige Beziehung zu Ton

und das seit unserer Kindheit. Wir haben mit Ton und Wasser gespielt.

Wir haben aus Spaß sogar in Ton gebadet.

Seit ich ein kleiner Junge war, fühle ich mich dem Ton verbunden. Meine Arbeit hat auch mit Ton zu tun.

Manchmal träume ich sogar von Backsteinen. Ich übe diesen Beruf seit 25 oder 26

Jahren aus und werde es bis zu meinem Tod tun. Ton ist mein Leben. Ich werde damit

arbeiten, solange ich die Kraft dazu habe. So geht das Leben weiter.

[Musik]

In Kulpi folgt das Leben dem Rhythmus der Backsteine. Doch jeder Klumpen Ton,

der den Ufern des Ganges entnommen wird und jede Tonne Holzkohle, die zum Brennen benötigt wird, belastet die

Umwelt. Die Ziegelindustrie ist einer der umweltschädlichsten des Landes.

Am anderen Ende der Welt in den USA, an den Ufern des Ohio River ist der Tonforscher Martin Pentruck unterwegs.

Er geht der Frage nach, ob Ton bei der Lösung der Umweltprobleme auf unserem Planeten helfen kann.

Er ist überzeugt, dass das Problem der Nitratbelastung gelöst werden kann.

Wenn ich erzähle, dass ich die Welt mit Ton retten will, halten mich die Leute für verrückt und die Idee für eine

Utopie. Aber ich bin sehr optimistisch, denn ich sehe das Potenzial von Ton, seine

Fähigkeit zu filtern, zu reinigen oder Schadstoffe wie Nitrate abzubauen.

Martin Pentrck ist Geochemiker am Research Institute der Universität von Illinois.

Als einer der besten Tonspezialisten versteht er dieses Material wie kaum ein anderer.

Für manche mag Ton einfach nur Staub sein. Ich als Forscher, als Mineraloge

sehe aber dessen große ja großartige Kräfte.

Ich denke, dass Ton auf eine gewisse Weise lebt, da sich verändert.

nicht nur rein physikalisch, sondern auch chemisch. Zudem kann ich mit Ton spielen

und zwar nicht nur zwischen meinen Fingern. Ich kann Ton modifizieren,

seine Eigenschaften verändern. Ich kann daraus etwas Besseres machen.

Warum Martin Pentrck Ton überhaupt verändern muss, in seinem natürlichen Zustand zieht er keine Nitrate an. Er

neigt sogar dazu, diese abzustoßen. Das macht aber nichts, denn Martin Pendrack glaubt, die Lösung gefunden zu

haben. Tonpartikel stoßen Nitrate ab, da sie

genauso wie Nitrate negativ geladen sind. Sie sind wie die gleichen Pole zweier

Magnete, die sich ja auch abstoßen.

Das Problem lässt sich lösen, indem dem Ton positiv geladene Polymere beigemischt werden.

Dadurch verändert sich die Polung der Tonpartikel und wir erhalten positiv geladenen Tone.

Nun haben wir positiv geladene Tonpartikel, die Nitrate in ihre Struktur aufnehmen und nie wieder

freisetzen.

Mir geht es darum, ein natürliches Filtersystem aus Tonmineralen zu entwickeln und dieses in bestehende

Wasseraufbereitungsanlagen zu integrieren.

Ich bin sehr zuversichtlich, dass eines Tages mein Filtersystem zur Anwendung kommen und bei der

Flusswasseraufbereitung helfen wird. Natürlich werden wir nicht alle Flüsse

sofort reinigen können, denn das Ausmaß der Verschmutzung ist weltweit enorm,

aber wir müssen irgendwo anfangen. In dieser Probe liegt für mich die Zukunft.

Unsere Zukunft heißt Ton, denn Ton kann die Menschen und die Natur versöhnen.

Wir müssen den Geheimnissen des Tons auf den Grund gehen, herausfinden, wie genau er das Wasser, den Boden und die Luft

aufbereiten, dekontaminieren und reinigen kann.

Es ist ein vielversprechender Stoff, der die Zukunft der Menschheit sichern kann.

Ob als Einzelpartikel oder als Bodenschicht der kritischen Zone, als Schlamm oder als Feststoff,

zusammen mit anderen Mineralien bildet Ton das Fundament unserer Welt, ein

solides Fundament, das Leben auf der Erde überhaupt erst ermöglichte.

Mit Wasser vermischt findet Ton zahlreiche Anwendungen. Unter der Einwirkung von Feuer

entwickelt er ganz andere Eigenschaften. Seit jeher gestaltet Ton als treuer

Begleiter der Lebewesen die Welt mit. Er gibt uns noch viele Rätsel auf.

Doch seine Geheimnisse wird nur lüften können, wer ihm mit Geduld und Respekt