Mein früher innerer Rückzug von meinen Bezugspersonen mit ca. 3 Jahren hat ein großes Defizit an emotionaler Zuwendung in mir zurückgelassen. Meine Erfahrung an bedingungsloser Liebe war noch nicht ausreichend, um ein zufriedenes Leben führen zu können.
Ich habe vorher dagen aufbegehrt und mich häufiger im Feld und in Scheunen im Dorf versteckt, bis man mich gesucht und gefunden hat. Es hat aber an meiner emotionalen Situation nichts verändert.
Ich habe von nun an, trotzdem vom Schicksal irgendwie erwartet, dass ich nun das Recht habe, die bedingungslose Liebe erwarten zu können. Ich musste das irgendwie ausreichen erleben, um überhaupt vernünftig weiterleben zu können.
Das Problem
Normalerweise ist nur eine Mutter in der Lage ihrem Kinde die bedingungslose Liebe zu schenken. Alle anderen Menschen können das normalerweise für eine andere Person nicht leisten. Sie erwarten immer eine Gegenleistung für Liebe oder Zuneigung, mindestens emotionale Belohnung.
Die Erwartungshaltung einer bedingungslose Liebe an einen Erwachsenen zu richten, mag eine Zeitlang gut gehen. Wird aber in fast allen Fällen in einem sozialen Fiasko enden. So auch bei mir.
Mein grundsätzliches kindliche Verhalten war dementspechend: Ich habe erwartet, das jeder sieht, wie sehr ich doch leide und das jeder mir seine Liebe schenken muss, ohne dass ich irgendeine emotionale Gegenleistung dafür erbringen muss.
Alle meine Sozialverhalten sind nun von dieser einseitigen Erwartungshaltung geprägt. Obwohl dass normale Zusammenleben immer aus einem emotional ausgeglichenem Geben und Nehmen bestehen muss.
Immer nur nehmen ohne eine emotionale Gegenleistung über einen langen Zeitraum wird in hohem Maße als asozial empfunden. Die Gegenreaktionen werden irgendwann entsprechend ablehnend sein.
Unfähig zur sozialen Interaktion
Wegen dieser, meiner unbewusstsen, inneren Grundhaltung und der Erwartung einer bedingungslosen Liebe, die keine Gegenleistung von mir erwartet, habe ich auch nie die entsprechenden Sozialtechniken gelernt, die mit dem Nehmen und Geben assoziiert sind. Das fängt schon mit der Wahrnehmung an, dass jemand dir einen Gefallen getan hat oder gegen dich emotional intrigiert.
Erschwerend kam hinzu, dass Mein Vater und dessen Vater auch keine Kenntnisse über diese notwendigen Sozialtechniken hatten und sich entsprechend verhalten haben. Sie hatten beide folgende Position in der Ehe eingenommen:
„Die Kinder hat die Frau bekommen, also sind es ihre Kinder. Soll sie sich doch alleine um ihre Kinder kümmern. Ich habe damit nichts zu tun“
Mein Vater hatte keine Kinder und meine Mutter hatte kein großes Selbstvertrauen. Sie war dem Egosimus meines Vaters ausgeliefert. Die Fauenrechte waren in der Gesellschaft noch nicht weit gediehen.
Unsere Familie lebte immer sehr isoliert von anderen Familien.
Ich habe nur zwei Erinnerungen, das wir als Familie mal eine andere Familie besucht hatten. Es waren beidemal Geschwisterfamilien meiner Eltern.
Ich habe auch nur eine einzige Erinnerung daran, dass meine Familie gemeinsam einen Ausflug gemacht hat. Wir fuhren ein einziges Mal zum Frankfurter Wäldchestag.
Alles in allem hatte ich keine guten inneren Voraussetzungen und keine guten Beispiele in meinem Umfeld um ausreichende soziale Verhaltensweisen zu entwickeln, die mich befähigen würden, in einer Gemeinschaft einen bewussten, wichtigen Beitrag zu leisten.
Mein Standardverhalten war dehalb immer abwarten, was angeboten wurde und dann meine sonstigen guten körperlichen und intellektuellen Fähigkeien einzusetzen, um zu einem Erfolgserlebnis zu kommen.
Ich hatte nie die Fähigkeiten entwickelt meine Ideen bei anderen Menschen durchzusetzen.
Die
Erkenntnis, dass ich immer unberechtigt leistungslose Liebe erwartet hatte, hat sich erst jenseits der 50 in mein
Bewusstsein gedrängt. Vorher war nur das Gefühl der Einsamkeit dominierend.
Meine erste Rettung
Meine sehr guten körperlichen Fähigkeiten halfen mir immer, in einer Gruppe von Kindern mir hinreichende Erfolgserlebnisse zu beschaffen, um eine gewisse Beachtung bei anderen Menschen zu erreichen.
Mein erstes Erfolgserlebnis hatte ich im Turnunterricht an der Volksschule, als
ich als einziges Kind der Klasse einen Hechtsprung über einen Turnkasten machen konnte, und den Kasten dabei nur mit meinen Händen berührte. Und ich war der zweitkleinste in der Klasse.
Als nächtes wichtige Erfolgserlebnis errinnere ich mich an eine Erkenntnis während eines Völkerballspiels im Kinderhort.
Ich erkannte, das es wichtig ist, der Gefahr ins Auge zu sehen, sprich den Werfer zu beobachten, um rechtzeitig dem Ball ausweichen zu können. Seitdem war ich immer lange bei der Gruppe im Feld, die nicht vom Ball getroffen wurde. Es war auch eine wichtige Erkenntnis für ein späteres, zufriedene Leben.
Meine körperlichen Fähigkeiten wurden bei den Aktivitäten mit den anderen Kindern auf den Trümmergrundstücken der Stadt Frankfurt geschult. Ich glaube
ich war meine ganze Kindheit (bis 10-12) im Freien. Nur zum Essen und zum Schlafen war ich zuhause. Dabei habe ich sicher auch rudimentäre soziale Fähigkeiten entwickelt, die mir aber nie als solche bewusst wurden.
Ich hatte immer den Drang, mit anderen Kindern zusammen zu sein. Ich hatte immer das Gefühl der Einsamkeit, war aber so gut wie nie alleine unterwegs.
Ich hatte immer eine gute Beziehung zu meinem
Körper und habe sie auch heute noch. Heute weiß
ich, dass die Zusammenarbeit zwischen meinem KÖRPER und meinem ICH-Bewusstsein entscheidend dafür ist, dass ICH etwas kann, etwas gelernt habe und einiges weiß. Man braucht auch dafür eine gute Beziehung zu seinem KÖRPER. Nur der
KÖRPER hat Zugriff auf alle Ideen von
KOSMOS und nur dein KÖRPER verwaltet dein Gedächtnis.
Etwas gutes, was
ich meinem Vater zu verdanken habe, ist seinen Satz an guten Genen (Genom). Mein Vater war Überlebender der spanischen Grippe-Epedemie 1918-1920. Er hatte eine Schüttellähmung der linken Hand davon zurückbehalten.
Auch ich habe mit ca. 50 Jahren begonnen einen Halte-Tremor der rechten Hand zu entwickeln. Das ist zwar lästig, ist aber keine große Einschränkung der grundsätzlichen Leistungsfähigkeit, wenn die andere Hand nicht auch noch beeinträchtigt wird.
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